2. Preis

Haus am See

Foto: Mark Seelen
Praktisch und kompakt wie ein Bootshaus. So wünschten sich die Bauherren ihr Wochenenddomizil bei Berlin. Hannelore Kaup gelang ein zeitloser Entwurf, der sensibel dem Gelände folgt und die HÄUSER-Jury überzeugte.
Wer gern segelt, liebt es, mit dem Boot aufs Wasser hinauszufahren, die Nase im Wind, die Sonne auf der Haut, allein mit den Elementen. Weil die Windgewöhnten aber auch abends, wenn die Segel eingeholt sind und das Boot wieder in der Marina vertäut ist, gern noch Natur um sich spüren möchten, baute die Berliner Architektin Hannelore Kaup einem Seglerpaar dieses Haus am See bei Berlin. "Bootshaus" lautete der Gebäudetypus, an dem sich die Planung orientieren sollte: ein kompakter Baukörper mit schlichtem Satteldach, der sich zum Wasser hin öffnet, vorn eine große Fensterfront wie ein Tor und darüber ein horizontales Fensterband, damit die Bewohner vom Schlafzimmer aus gleich morgens auf den See blicken können.

"Auf dem Grundstück in Hanglage wollten wir das Haus zum See ausrichten, der nördlich gelegen ist", erklärt Hannelore Kaup, "deshalb entschlossen wir uns, im oberen Bereich des Grundstücks zu bauen und mit Fenstern Richtung Westen und Norden für möglichst viel natürliches Licht zu sorgen." Nebengebäude und Haus wurden mit einer Fassade aus dänischem Ziegel als zweischaliges Mauerwerk mit Kerndämmung ausgeführt. Der dunkle Stein ist pflegeleicht und klassisch, ergänzt sich aber auch gut mit den Akzenten aus Stahlbeton und Holz, die an Hauseingang und Terrasse gesetzt wurden.


Praktisch wie ein Bootshaus

Den maritimen Charakter des Hauses unterstreicht auch die Überdachung der Terrasse. In dem schlanken Betongerüst sind Stahlschienen eingelassen, über die sich ein Sonnenschutz aus Segeltuch aufziehen lässt. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich eine feine, beabsichtigte Asymmetrie: Die Gebäudeachsen von Haus und seitlich verlaufender Pergola sind um etwa fünf Grad verdreht, wodurch das Ensemble leicht aufgefächert wird und die Öffnung zum See auch in den Außenanlagen zum Ausdruck kommt.

Wer das Haus betritt, hat sogleich den Eindruck, es sei innen größer als von außen vermutet. Vom kleinen Flur aus blickt man durch den offenen Wohnraum auf die Terrasse und den Außenbereich. Dabei zeichnet das Innere sinnfällig das abfallende Terrain nach: Die im Flur noch relativ niedrige Deckenhöhe von 2,30 Meter steigert sich über zwei Versprünge bis zum Wohnbereich auf großzügige 3,48 Meter. Die Stufen schaffen dadurch drei Zonen im Raum – zum Kochen, zum Essen und zum Wohnen –, und von jedem Bereich aus kann man den See sehen. Nur ein kleines Wandstück unterbricht einmal den Blick, an dieser Stelle sind die Züge für den Kamin eingebaut, der Ess- und Wohnbereich voneinander trennt. Eine Treppe führt ins Obergeschoss, wo die Schlaf- und Badezimmer untergebracht sind und wo der bis zum First offene Raum am Nordgiebel mit einem Fensterband das schönste Seepanorama feiert, das sich denken lässt.

 

Architekten:
Hannelore Kaup Architekten, Friedbergstraße 7, 14057 Berlin, 
Tel. 030-3957392
www.hkaup-architekten.de
Bauzeit: 2011–12
Wohnfläche: 133 m², Nutzfläche: 44,5 m²
Grundstücksgröße: 1098 m2

Baukosten: 450.000 Euro

Bauweise: massiv, zweischalig, Kalksandstein/Ziegel
Fassade: dänischer Klinker
Dach: Satteldach, Biberschwanzdeckung
Raumhöhe: 2,30–3,48 m
Decken/Wände: Gipsputz

Fußboden: Solnhofer Platten; Holzdielenboden Eiche, geölt
Energiekonzept: Flächenheizung in Wand und Boden, Wärmepumpe, Kaminofen
Jahresheizwärmebedarf (Qh): 65 kWh/m²a
Jahresprimärenergiebedarf (Qp): 66 kWh/m²a

Spezif. Transmissionswärmeverlust (ht-Wert): 0,43 W/m²K

Grundriss: 
Haus am See.pdf
Foto: Mark Seelen
Foto: Mark Seelen
Foto: Mark Seelen
Foto: Mark Seelen